Die Pflege ist pflegebedürftig

Dr. Daniela Sommer_Plenarsaal
Dr. Daniela Sommer

Die Pflege ist pflegebedürftig. Knapp ein Drittel der in der Pflege Tätigen fühlt sich (emotional) erschöpft und befindet sich an der Schwelle zum Burnout.

Auch der Stressreport 2012 zeigt, dass gerade das Berufsfeld der Pflege hohe psychosoziale Arbeitsbelastungen und erhebliche körperliche Anforderungen aufweist. Pflegekräfte gehen oftmals früher in Rente oder wechseln das Berufsfeld. Für die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Daniela Sommer wird hier der Zusammenhang zwischen der Aussage im Stressreport und den schlechten Arbeitsbedingungen in der Pflege deutlich.

Sommer, die pflegepolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, stellte diesbezüglich eine Anfrage an Sozialminister Stefan Grüttner (CDU), um für die bessere Unterstützung der in der Pflege Tätigen zu werben.

„Pflegekräfte leisten täglich wertvolle Arbeit für pflegebedürftige Menschen. Dafür brauchen sie Zeit – aber auch personelle Ressourcen, um den Ansprüchen einer qualitativen Pflege gerecht zu werden.“

Sozialminister Grüttner nennt Tagungen und Veranstaltungen zur Gesundheitsförderung bei Pflegekräften. Er widmet sich in der Beantwortung der Kleinen Anfrage von Dr. Daniela Sommer insbesondere der Zeitfrage und führt das Modellprojekt des Bundes zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation an.

Auch Sommer befürwortet den Bürokratieabbau in der Pflege. Jedoch ist diese Maßnahme lediglich ein Aspekt, um die Belastungen im Pflegealltag zu reduzieren. „Die Anforderungen an die Pflege werden immer komplexer. Steigende Fallzahlen und ältere Patienten, die mehr Pflegebedarf haben, sind nur zwei Aspekte der gestiegenen Anforderungen“, so die Sozialpolitikerin in Wiesbaden.

Grüttner verspricht, dass sich die Landesregierung mit Nachdruck dafür einsetzen wird, „dass eine ausreichende Personalbesetzung in Alten- und Pflegeeinrichtungen von den Einrichtungsbetreibern vorgehalten bzw. gewährleistet wird.“ Sommer hofft, dass Grüttner seinen Worten tatsächlich Taten folgen lässt und für verbesserte personelle Ressourcen sorgen wird. „Denn derzeit hält die gefühlte personelle Ausstattung im Pflegebereich nicht den Erwartungen Stand. Im Gegenteil: In vielen hessischen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen wird Personal abgebaut. Pflegekräfte und die Gewerkschaft schlagen Alarm und fordern Personalmindeststandards ein“, so Sommer.

Bei der dünnen Personaldecke sei das „Einspringen“ alltäglich. Überstunden sammeln sich an und eine verlässliche Planung der Freizeit sei kaum möglich. Sommer kritisiert, ohne zusätzliches Geld gebe es weder mehr Personal noch eine bessere Bezahlung. „So dreht sich die Diskussion um die Rahmenbedingungen in der Pflege und schließlich um den Fachkräftebedarf letztlich im Kreis.“

Die Arbeitsbedingungen müssen verbessert werden, um in der Pflege Tätige zu stärken und zu unterstützen, fordert die Abgeordnete. Es braucht Gesetze, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor dauerhafter Überlastung, Unfällen und Berufskrankheiten schützen.

Hinweis

Zander, Britta/Dobler, Lydia/Busse, Reinhard (2011): Studie spürt Gründen nach Burnout nach. Psychische Erkrankungen kommen in der Pflegebranche überproportional häufig vor. Pflegezeitschrift, Jahrgang 64, Heft 2, S. 98-101.