Ethik und Ökonomie im Gesundheitswesen

Gesundheitspolitische Sprecherin Dr. Daniela Sommer
Gesundheitspolitische Sprecheri Dr. Daniela Sommer

Spricht man mit Gesundheitsexpertinnen und -experten, wird immer wieder erläutert, dass derzeit enge finanzielle Spielräume und wenig Ressourcen zur Verfügung stehen. In der Presse kann man wiederholt lesen, dass Krankenhäuser sparen müssen. 14 Prozent der deutschen Krankenhäuser gelten als akut von Insolvenz bedroht. Grund sei, dass die öffentliche Hand weniger Geld zahle und Fallpauschalen oftmals die tatsächlichen Kosten nicht decken.

Zunehmende Ökonomisierung berge die Gefahr, dass gewinnbringende Untersuchungen und Operationen veranlasst werden, um Fallpauschalen optimal, d.h. Korridore der Indikationsstellung, auszunutzen, sagt die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Dr. Daniela Sommer anlässlich der Podiumsdiskussion zur Thematik, die während der 65. Jahrestagung der Süddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin in Bad Nauheim stattgefunden hatte.

„Es darf nicht sein, dass Operieren als verlockend empfunden wird und aus ökonomischen Gründen medizinisch nicht indizierte Maßnahmen, also unnötige Therapien, durchgeführt werden, nur weil sie aufwendiger sind und finanziell entlohnt werden. Im Mittelpunkt steht, wie im Genfer Gelöbnis des Weltärztebundes festgeschrieben, dass die Gesundheit der Patienten oberstes Gebot des ärztlichen Handelns sein soll. Die zunehmende Ökonomisierung darf nicht zur Bedrohung für die körperliche Unversehrtheit werden.“

Sommer konstatiert, dass falsche Anreize nivelliert werden müssen und dass die Fallpauschalen, das DRG-System als lernendes System, weiterentwickelt werden muss.

„Wichtig ist mir, dass Politik gegensteuert, dass mehr Transparenz geschaffen wird, dass zwar ökonomische Aspekte, aber vor allem auch das Wohl der Patienten Berücksichtigung finden. Ethnische und ökonomische Ziele müssen sich nicht ausschließen, man darf sie aber nicht gegeneinander ausspielen. Vernünftig bemessene Investitionshilfen von Bund und Land müssen dies mitsteuern. Wichtig ist, dass Therapien dem Wohl der Patienten und des ärztlichen Ethos entsprechen. Wir benötigen Standards der Gesundheitsökonomie, die Über- und Unterkapazitäten abbauen, die medizinisch überflüssige Leistungen eliminieren, die organisatorische Abläufe straffen, die Qualitätssicherung und -kontrolle und nicht zuletzt eine Krankenhaus- und Versorgungsplanung vorsehen, um sich auf den eruierten Versorgungsbedarf auszurichten. Die SPD wird sich für eine gute, qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung in der Fläche einsetzen und Defizite genau in den Blick nehmen, um diese zu beheben, sagt Dr. Daniela Sommer abschließend.