Verbesserungsbedarf bei Praxiseinheiten im Medizinstudium

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Dr. Daniela Sommer

Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Dr. Daniela Sommer, bat die Landesregierung im Rahmen einer Kleinen Anfrage um Auskunft zu den Praxiseinheiten im Medizinstudium (Drucksache 19/4693). Mit Blick auf die erfolgte Antwort sagte Sommer:

„Im Medizinstudium haben Studierende bereits früh die Möglichkeit, Einblicke in den ärztlichen Arbeitsalltag zu erhalten. Dies erfolgt durch praktische Einheiten im klinischen und vorklinischen Studienabschnitt sowie im abschließenden Praktischen Jahr (PJ). Dass diese Einblicke in verschiedenen Einrichtungen und auf unterschiedlichen Versorgungsebenen (Kliniken, Ambulanzen, Lehrkrankenhäuser, Lehrpraxen oder Skills Labs/Simulationszentren) stattfinden, ist gut so und daher auch in der Approbationsordnung festgeschrieben. Minister Rhein sieht zwar keinen Handlungsbedarf, doch die Forderungen der Medizinstudierenden machen den Wunsch nach größerer Praxisnähe deutlich. Als hessischer Wissenschaftsminister auf die Praxisnähe des Studiums nicht weiter eingehen zu wollen, ist wirklich bedauerlich – zumal das Thema zentral für die Reformbemühungen des Studiums auf Bundesebene ist.“

Sommer berichtete von einer weiteren Anfrage zum Praktischen Jahr (PJ), bei der die Erfahrungsberichte der Studierenden mit der Antwort des Ministers schwerlich vereinbar seien (Drucksache 19/4914). Dort heißt es zum Beispiel in Bezug auf die PJ-Seminare in Frankfurt: „Veränderungsbedarf wurde nicht mitgeteilt.“

„Dabei haben gerade die Frankfurter Medizinstudierenden erst kürzlich genau wegen dieser Aspekte zu einer großen Demonstration aufgerufen und im Zuge dessen PJ-Seminare als einen zentralen Diskussionspunkt erklärt. Insgesamt wird den Beschwerden der Studierenden zu wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht“, sagte Sommer und wünscht sich, dass Problemhinweise nicht einfach nivelliert werden. Viele der Antworten auf die Anfrage zum Praktischen Jahr fielen kurz und technokratisch aus. Das Ministerium für Wissenschaft und Kunst bleibe einer politischen Stellungnahme zu dem von den Studierenden geforderten Höchstsatz der Aufwandsentschädigung schuldig.

„Studierende wünschen sich mehr Praxis im Studium und einen Studientag im PJ. Dieser wurde in Frankfurt bereits 2013 auf fünf Stunden pro Woche reduziert und muss zudem im Krankenhaus verbracht werden. In den Krankenhäusern fehlen jedoch zum überwiegenden Teil die Möglichkeiten zum Lernen und Nachbereiten. Das fängt beim Fehlen von adäquaten Räumlichkeiten an und hört bei fehlenden Recherchemöglichkeiten (Fachliteratur, benutzbare PCs) nicht auf. Hier muss sich auf jeden Fall etwas tun. Dass dies geht, zeigen viele gute Beispiele, allen voran die Universitäten in Gießen und Marburg, bei denen der Studientag bereits gelebte Praxis ist“, so Dr. Daniela Sommer.

Als billige Arbeitskraft dürften Studierende grundsätzlich nicht ausgenutzt werden, dem wirkten aber auch die verbindlichen PJ-Logbücher und die systematische Anwendung der Qualitätskriterien bereits entgegen, so Minister Rhein. Einige Stationen seien jedoch regelrecht von der zusätzlichen Arbeitskraft der Medizinstudierenden im PJ abhängig, so dass Studientage außerhalb der Kliniken teilweise nicht gewährt werden. „Es gibt daher Handlungsbedarf – Minister Rhein sollte gemeinsam mit den Universitäten Verbesserungen anstreben“, sagte Sommer abschließend.