Lohnatlas zeigt große Lohnlücken in Waldeck-Frankenberg auf

ASF Waldeck-Frankenberg in Herzhausen
Archivbild: ASF Waldeck-Frankenberg in Herzhausen

„Frauen und Männer werden für gleiche Arbeit unterschiedlich bezahlt. Der Lohnatlas zeigt teils große regionale Gefälle innerhalb Hessens bei der Entlohnung auf. Vor allem zwischen ländlichen Gebieten und Städten ist die Differenz teilweise enorm, was auch den Landkreis Waldeck-Frankenberg betrifft. Diese Unterschiede werden vor dem Hintergrund noch gravierender, dass lediglich die Vollzeit-Brutto-Monatsentgelte verglichen wurden. Insbesondere Frauen sind jedoch überwiegend in Teilzeitbeschäftigungen tätig“, kommentiert die Landtagsabgeordnete Dr. Daniela Sommer, die unter anderem Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) des Landkreises Waldeck-Frankenberg ist.

Für Waldeck-Frankenberg zeigt sich das Bild, dass zwischen Frauen und Männern mit Berufsabschluss eine Lohnlücke von 23,5 Prozent, d.h. von 748 Euro, vorliegt. Zwischen Frauen und Männern mit akademischem Abschluss beträgt die Lücke sogar 32,2 Prozent, das ist 1.704 Euro weniger auf dem Konto der Frauen. Waldeck-Frankenberg liegt dabei insgesamt über der Lohnlücke von Hessen, die sich bei 14,1 Prozent befindet. Allerdings werden in der Datengrundlage nur sozialversicherungspflichtige Vollbeschäftigungen gerechnet. Das sind für Waldeck-Frankenberg 11.801 Frauen, die vollbeschäftigt arbeiten.

„Ich gehe davon aus, dass die Lohnlücke noch weiter auseinanderklafft, wenn auch Teilzeit- sowie geringfügige Beschäftigungen hinzugenommen werden. In Waldeck-Frankenberg arbeiten derzeit 14.794 Frauen in Teilzeit und 5.838 in geringfügigen Beschäftigungen“, so Sommer. „Da bis 2020 aber prognostiziert wird, dass gerade in den medizinischen Berufen, der Maschinen- und Fahrzeugtechnik, in Metall, in Unternehmensorganisation sowie in der Dienstleistungsbranche 6.300 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gesucht werden, hoffe ich, dass Frauen davon profitieren und sich die Lohnlücke schließt, da Frauen in den Unternehmen gesucht werden.“

Oft seien es überwiegend Frauen, die beruflich zugunsten der Familie zurückstecken würden. „Die Einkommensstatistiken zeigen, dass das Gehaltsgefälle in dem Alter zunimmt, in dem Frauen Kinder bekommen. Sie reduzieren ihre Arbeitszeit oder steigen für eine Zeit ganz aus dem Beruf aus. Anschließend finden sie sich oft in Minijobs wieder oder haben Schwierigkeiten, eine ihrer Ausbildung entsprechende Vollzeitstelle zu finden. Auszeiten und Teilzeit wirken sich letztlich negativ auf Beförderungschancen aus“, so die SPD-Abgeordnete. Als gesundheits- und pflegepolitische Sprecherin weist Dr. Daniela Sommer zudem auf längere Erwerbsunterbrechungen für die Pflege von Angehörigen hin und fordert eine bessere rentenrechtliche Anerkennung von Pflegezeiten.

Sommer setzt sich gemeinsam mit ihrer Fraktion ein, das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern abzubauen. „Deutschland zeigt eines der höchsten Lohngefälle in der EU auf, lediglich in Österreich und Estland ist der Unterschied größer“, so die Sozialpolitikerin. Auf Bundesebene führte die SPD mit dem Lohntransparenzgesetz konkrete Änderungen herbei, um die Situation für Frauen zu verbessern. Leider waren weitreichendere Änderungen mit dem Koalitionspartner CDU in der vergangenen Legislaturperiode nicht möglich. „Angesichts der zunehmenden Altersarmut müssen Frauen für ihre Arbeit besser bezahlt werden, da niedrige Löhne auch niedrige Renten bedeuten. Hier muss endlich nachgesteuert werden!“, fordert die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Dr. Daniela Sommer.